„Hall of Fame“: engagierte Aufklärer in Zitaten

Jean Amery (1912 – 1978):

„Zusammen mit der Skepsis, die ihm nicht widerredet, sondern ihn geistreich ergänzt, ist der menschfreundlicbe Optimismus der Aufklärung mit den statischen Werten von Freiheit, Vernunft, Gerechtigkeit, Wahrheit unsere einzige Chance, Geschichte zu machen und mit ihr das recht eigentlich humane Geschäft: die Sinngebung des Sinnlosen zu betreiben.  …  Alles kommt jetzt darauf an, daß die Aufklärung sich nicht einschüchtern lasse: weder durch den historisch patinierten, aber darum noch lange nicht zu Ehrwürden gelangten traditonellen Vorwurf, sie sei „flach“, noch durch das zeitgemäß gestikulierende, arrogante, aber gänzlich unstichhaltige Argument, sie sei „überholt“.

Aufklärung als Philosophia perennis, Rede zu Verleihung des Lessingpreises der Stadt Hamburg, 1977

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Hans Albert (geb. 1921):

„Ich wurde also Atheist, weil ich kein Gründe dafür fand, an Gott zu glauben.“

Richard Schröders Kritik des neuen Atheismus, 2010

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Kwame Anthony Appiah (geb. 1954):

„Toleration requires a concept of the intolerable.“

„Toleranz verlangt eine Festlegung des Intolerablen.“

Cosmopolitanism. Ethics in a World of Strangers, 2006

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Julian Baggini (geb. 1968):

„Religion will recede not by atheists shouting condemnation, but by the quiet voice of reason slowly making itself heard.“

„Die Religion wird nicht dahinschwinden, weil Atheisten sie lauthals verdammen, sondern durch die ruhige Stimme der Vernunft, die sich langsam Gehör verschafft.“

Atheism. A Very Short Introduction, 2003

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Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990):

„Man darf nie aufhören, sich die Welt vorzustellen, wie sie am vernünftigsten wäre.“

Hingeschriebenes, 1947 – 1948

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Ronald Dworkin (1931 – 2013):

„Making someone die in a way others approve, but he believes contradicts his own dignity, is a serious, unjustified, unnecessary form of tyranny.“

„Jemanden zu zwingen, auf eine Weise zu sterben, die andere billigen, von der er jedoch überzeugt ist, daß sie seiner eigenen Würde widerspricht, ist eine ernste, ungerechtfertigte und unnötige Form der Tyrannei.“

Do We Have a Right to Die?, 1994

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Albert Einstein (1879 – 1955):

„Indessen geht es bei den Angelegenheiten tätiger Menschen um etwas anderes. Hier genügt die einmalige Erkenntnis der Wahrheit nicht; im Gegenteil, diese Erkenntnis muß beständig und unermüdlich erneuert werden, soll sie nicht verlorengehen. Sie gleicht darin einer Marmorstatue, die in der Wüste steht und ständig in Gefahr ist, vom Flugsand begraben zu werden. Fleißige Hände müssen sich unablässig rühren, damit der Marmor weiter in der Sonne schimmern kann. Zu diesen fleißigen Händen sollen auch die meinen gehören.“

Über Erziehung, 1936

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Richard Mervyn Hare (1919 – 2002):

“ …  the question ‚What shall I do?‘ is one that we cannot for long evade; the problems of conduct, though sometimes less diverting than crossword puzzles, have to be solved in a way that crossword puzzles do not. We cannot wait to see the solution in the next issue, because on the solution of the problems depends what happens in the next issue.“

„Wir können der Frage: ‚Was soll ich tun?‘ nicht lange ausweichen; die Probleme des Verhaltens verlangen, auch wenn sie manchmal weniger unterhaltend sind als Kreuzworträtsel, in einer Weise nach einer Lösung, wie es Kreuzworträtsel nicht tun. Wir können nicht darauf warten, die Lösung in der nächsten Ausgabe zu finden, weil es von der Lösung der der Probleme abhängt, was in der nächsten Ausgabe passiert.“

The Language of Morals, 1952

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Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799):

„Wenn ich dieses Buch nicht geschrieben hätte, so würde heute über tausend Jahre abends zwischen sechs und sieben zum Beispiel in mancher Stadt in Deutschland von ganz andern Dingen gesprochen worden sein, als wirklich gesprochen werden wird.“

Aphorismen, 1773 – 1775

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Michel de Montaigne (1533 – 1592):

„Wir sind Christen im gleichen Sinne, wie wir Schwaben oder Perigordiner sind.

Apologie des Raimundus Sebundus, 1576

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Bertrand Russell (1872 – 1970):

„I do not believe that, on the balance, religious belief has been a force for good. Although I am prepared to admit that in certain times and places it has had some good effects, I regard it as belonging to the infancy of human reason, and to a stage of development which we are now outgrowing.“

„Ich glaube nicht, daß religiöser Glaube, aufs Ganze gesehen, etwas Gutes bewirkt hat. Auch wenn ich bereit bin, zuzugestehen, daß er zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten einige gute Wirkungen gehabt hat, denke ich, daß er einem kindlichen Stadium des menschlichen Denkens angehört, einer Entwicklungsstufe, aus der wir nun herauswachsen.“

Free Thought and Official Propaganda, 1922

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Arthur Schopenhauer (1788 – 1860):

Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß das Wort Atheismus eine Erschleichung enthält; weil es vorweg den Theismus als sich von selbst verstehend annimmt.

Über die víerfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, 1847

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Miguel de Unamuno (1864 – 1936):

„En la iglesia me quito el sombrero, pero no me quito la cabeza.“

“ In der Kirche nehme ich den Hut ab, aber nicht den Kopf.“

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