Die Beschneidung von Jungen: mißlungenes religiöses Sonderrecht

Der deutsche Gesetzgeber hat sich nach dem konsequenten Urteil des Landgerichts Köln vom Mai 2012 bemüßigt gesehen, die rituelle, religiöse Beschneidung von Jungen rasch dem Bereich möglicher Strafbarkeit zu entziehen. Dies kann man aus historischen und politischen Gründen nachvollziehen – wenn auch nur als Übergangslösung in einem fortschreitenden Prozeß der Aufklärung (der derartige körperverletzende Zugehörigkeitsrituale selbst bei einem Festhalten an den zentralen Glaubenssätzen der Religionen auch für deren Anhänger obsolet werden lassen sollte).  Um seine Absicht in die Tat umzusetzen, mußte der Gesetzgeber religiöses Sonderrecht schaffen. Selbst wenn man dies für den Einzelfall akzeptiert und den möglichen gefährlichen Präzedenzcharakter dieses Vorgehens hintanstellt, ist die getroffene gesetzliche Regelung als ausgesprochen mißlungen zu werten. Statt in einem Paragraph 1631d des Bürgerlichen Gesetzbuchs die elterliche Sorge ausdrücklich auf das Recht auszudehnen, über eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung zu entscheiden und eine solche Entscheidung somit ausdrücklich als rechtmäßig abzusegnen, hätte der Gesetzgeber wenigstens eine sehr viel distanziertere Lösung wählen können: eine Strafrechtsbestimmung, die die rituelle Beschneidung von Jungen als rechtswidrig, aber straffrei eingestuft hätte und dabei auch die Schutzbestimmungen für das Kindeswohl (zum Beispiel Berücksichtigung von Willensäußerungen insbesondere älterer Jungen) als einschränkende Voraussetzungen der Straffreiheit zusätzlich sehr viel deutlicher formuliert hätte, als dies der unglückliche BGB-Paragraph nun tut.

Der Gesetzgeber hat leider alle gut fundierten Einwände in den Wind geschlagen, wie sie unter anderem von Reinhard Merkel immer wieder vorgetragen wurden, so etwa hier:

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-10/beschneidung-ethikrat-reinhard-merkel/seite-1

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